Am Gründonnerstag 2011 sind zwei Piloten aus Kägiswil mit der HB-PNR mit Destination Tirana (Albanien) gestartet. Die Erlebnisse der beiden sind in diesem Bericht zusammengefasst.

Tagesziel Sarajevo

Pünktlich trafen wir uns am Donnerstag auf dem Flugplatz Kägiswil. Die Wetteraussichten für die Schweiz, Norditalien und die Balkanhalbinsel waren bis Ostermontag hervorragend, so dass wir das Ziel unseres Osterflugs nicht zu überdenken hatten. Doch schon nach dem Studium der NOTAMs mussten wir die erste Routenänderung am für den Donnerstag geplanten Flug via Zell am See (Österreich) und Balaton (Ungarn) nach Sarajevo (Bosnien) vornehmen, weil Balaton momentan kein Avgas verfügbar hatte. Wir entschieden uns daher anstelle von Balaton Maribor in Slowenien anzufliegen.

Schliesslich starteten wir mit einer kleinen Verspätung vollgetankt Richtung Zell am See. Nach einem rund 2-stündigen Flug bei bestem Wetter quer über die Schweizer und Österreicher Alpen landeten wir in Zell, machten den Zoll und gaben die Flugpläne für die zwei noch kommenden Legs dieses Tages auf. Das zweite Leg führte uns ziemlich direkt von Zell nach Maribor. Nach dem Aufruf von "Maribor Tower" erhielten wir die Anweisung, einen "straight-in approach runway 15 via city" zu machen. Unser Studium der "visual approach chart" mit den darauf publizierten Einflugpunkten war also vergebens... In Maribor wurden wir freundlich empfangen, der anwesende "load control officer" organisierte sehr speditiv das Tanken sowie den Zoll und der Herr im AIS-Büro drückte uns die ausgedruckten NOTAMs und Meteoinformationen für das nächste Leg bereits beim Eintreten in die Hand.

Nachdem all dies auch bezahlt war, starteten wir zum letzten Flug dieses Tages. Nach einem kurzen Flug über slowenischem Gebiet wurden wir an der Grenze zu Kroatien an "Zagreb Radar" übergeben, welcher uns bis an die bosnische Grenze begleitete. Vorbei an Zagreb führte uns unser Flug weiter Richtung Süden. Der Controller von Zagreb fragte uns dann gestandene 3 Mal, ob wir uns bewusst seien, dass wir nach dem Überflug von "RUDIK Point" (Grenze zu Bosnien) in "uncontrolled airspace" einfliegen würden, was uns eigentlich nicht störte, ihm aber merklich Sorgen bereitete. Über besagten RUDIK gab er uns noch eine ganze Auswahl an Frequenzen an, bei denen wir versuchen könnten, Kontakt aufzunehmen. Die nächsten 50 Minuten flogen wir über bergiges, kahles Land, zwischendurch war auch mal ein einzelnes Haus oder eine Strasse zu sehen und in der Ferne konnte man Banja Luka ausmachen. Je mehr wir uns Sarajevo näherten, umso bewohnter wurde die Gegend wieder und wir riefen "Sarajevo Approach" auf, welcher uns für den Anflug über ein NDB lotsen wollte. Kurze Zeit später wurden wir jedoch dem Tower übergeben, welcher uns das "cleared to land" für einen "straight-in approach" bereits beinahe 10 Meilen vor dem Platz gab.

Nach der Landung wurden wir vom Marshaller vor ein Fingerdock geführt und nach dem Abstellen des Motors waren wir sofort umringt von Flughafenmitarbeitern. Unsere Erklärung, dass wir über Nacht bleiben möchten, führte dazu, dass wir noch umparkieren mussten, bevor wir begleitet von einem Mitarbeiter des "operation center" die Passkontrolle hinter uns brachten. Da standen wir nun im Terminal, durstig und ohne Geld. Ein Bankomat stand zwar da, wir hatten jedoch keine Ahnung über den Wechselkurs und wie die Währung überhaupt heisst. Durch den Kauf zweier Biere an der Bar stellte sich schnell heraus, dass Bosnien und Herzegowina die "konvertible Mark" (KM) hat und diese fest mit dem Euro im Verhältnis 2:1 gekoppelt ist.

Während der Taxifahrt in die Stadt erzählte uns der Fahrer von der Zeit der Belagerung von Sarajevo und erklärte uns den Frontverlauf, wo man an vielen Häusern noch heute die Schäden des Krieges sieht.

Sarajevo by night

 

Nach dem Zimmerbezug zogen wir dann los, um Sarajevo zu erkunden. Die Altstadt ist orientalisch geprägt, mit mehreren Moscheen und Kirchen sowie zahlreichen Geschäften und Restaurants. Hier genossen wir die einheimische Spezialität "Cevapi" für 7 KM pro Person inklusive Getränk und etwas später noch ein riesiges Stück Torte für ebenfalls sehr wenig Geld.

Tirana wird nix...

Am nächsten Morgen herrschte wiederum bestes Wetter und wir freuten uns, heute unser Ziel Tirana in einem Direktflug zu erreichen. Wir machten die Flugvorbereitung und gaben den Flugplan über Internet auf der Terrasse eines Cafés mit WLAN-Access in der Altstadt von Sarajevo auf.

Nachdem wir am Flughafen den Grenzbeamten davon überzeugt hatten, dass wir nicht zu früh für den Lufthansa-Flug nach München waren, sondern nur zu unserem eigenen Flugzeug wollten, wurden wir von einer Flughafenangestellten zum C-Büro geführt. Dort wurde uns eröffnet, dass mit dem Flugplan etwas nicht in Ordnung sei. Es stellte sich heraus, dass für die Landung in Tirana eine Erlaubnis der albanischen Behörde für Zivilluftfahrt erforderlich ist, was aus dem AIP jedoch nicht klar ersichtlich ist. Freundlicherweise wurden jedoch 2 Mobiltelefonnummern angegeben, über welche diese "PPR Nummer" angefordert werden kann. Leider war die eine Nummer zur Zeit ausser Betrieb und bei der anderen Nummer erklärte man sich infolge Abwesenheit vom Büro für nicht zuständig. Nachdem noch einige andere Telefonate mit diversen Stellen erfolglos waren, mussten wir beginnen, uns mit einer anderen Destination auseinander zu setzen. Nach längerem Hin und Her entschlossen wir uns für Dubrovnik (Kroatien). Mit rund 2 Stunden Verspätung starteten wir schliesslich Richtung Dubrovnik. Der Tower gab uns mit Freude die Erlaubnis, für ein Fotoshooting noch die Stadt zu überfliegen bevor wir Sarajevo mit Heading Süd verliessen. Nach einem wunderschönen Flug über bergiges Gelände ohne Funkkontakt in Bosnien meldeten wir uns schliesslich bei "Dubrovnik Approach", welcher uns die Anweisung gab, wegen eines Airbus auf dem ILS Runway 12 östlich des Platzes die Position zu halten und dann "when Airbus three-twenty in sight, join behind, caution wake turbulences". So einfach geht das...

Nach der Landung versuchten wir noch einmal erfolglos, eine Bewilligung für Tirana zu erhalten. Ein kleiner Lichtblick war, dass nun die zweite Nummer auch in Betrieb war, nur nahm niemand ab. Weil wir beide Dubrovnik bereits gesehen hatten, entschlossen wir uns - trotz eines eigentlich schönen Tages zutiefst betrübt - für die Übernachtung in einem Appartement in Cavtat, einem kleinen Ort nahe dem Flughafen Dubrovnik.

Cavtat

Nach dem Zimmerbezug und einer Dusche nutzten wir die Zeit für einen letzten Versuch, eine PPR-Nummer für Tirana zu erhalten - so schnell gibt man ja schliesslich nicht auf... Durch dieses letzte Telefonat besserte sich unsere Laune deutlich, erhielten wir doch jetzt eine Faxnummer, um den Antrag zu stellen. Auf einem PC unserer Gastgeber schrieben wir nun also diesen Antrag und gaben ihn ausgedruckt unseren Gastgebern zum Faxen. So einfach sollte es aber nicht sein, es kam nämlich kurz darauf die Tochter des Hauses mit dem Papier und der Mitteilung, dass auf ihrem Fax die Null nicht funktionieren würde. Es wurde nun kurzerhand das Dokument in die Schweiz gemailt und von da nach Albanien gefaxt. Mit dem Wissen, nun alles Mögliche getan zu haben, begaben wir uns zum Apéro an den Pier von Cavtat. Bereits rund eine Stunde später erhielten wir den erfreulichen Telefonanruf: die Erlaubnis sei erteilt, die PPR-Nummer sei 191! Die bestellte Fischplatte genossen wir nun doppelt.

Reiseziel erreicht!

Am Morgen machten wir wiederum in unserem Appartement die Flugvorbereitung über Homebriefing. Nach dem Morgenessen mit ungeniessbarem Kaffee wurden wir von unserer Gastgeberin zum Flughafen chauffiert und gelangten problemlos und sehr rasch durch Pass- und Sicherheitskontrolle. Kurz noch im AIS nachgefragt ob der Flugplan i.O sei, bezahlen und ab ging's zum Flugzeug. Nach dem Erstaufruf beim Tower mussten wir kurz warten, bis die Koordination mit Montenegro abgeschlossen war, dann erhielten wir Roll- und Starterlaubnis.

Der Flug der montenegrinischen Küste entlang führte über viele Buchten, Steilküsten und Dörfer. Als Route hatten wir die im AIP Montenegro publizierte VFR-Route entlang der Küste angegeben, welche auch anstandslos akzeptiert wurde. Nach der Grenze zu Albanien ist VFR-Kartenmaterial definitiv nicht mehr verfügbar, im AIP Albanien ist jedoch immerhin eine "visual approach chart" von Tirana publiziert, wenn auch keine VFR-Routen eingerichtet sind. Doch auch dies war kein Problem, durften wir doch wie geplant, direkt vom FIR-Entry-Point "PETAK" zum VOR Tirana - welches auf dem Flugplatz steht - fliegen. Nach der Landung wurden wir mit Handschlag und sehr freundlich begrüsst und kurz darauf mit einem Airlinerpassagierbus abgeholt und zum Terminal gebracht.

HB-PNR in LATI

 

Nach der Passkontrolle nahmen wir uns einen Mietwagen und gelangten in einer abenteuerlichen Fahrt nach Durres, eine Hafenstadt an der Adriaküste. Dort bezogen wir ein Hotel und nach einer kleinen Erfrischung ging's mit dem Auto gleich weiter an den Strand von Durres, welcher sich einige Kilometer südlich befindet. Zurück in der Stadt, besichtigten wir noch die Haupteinkaufsstrasse und das Amphitheater, bevor es zum Apéro auf dem Schlossturm und einem feinen Nachtessen ging.

Die Krux mit dem Flugplan

Am nächsten Tag gaben wir wiederum den Flugplan noch im Hotel auf. Nach dem Morgenessen und dem Durchsprechen des Tagesprogramms hatten wir entschieden, dass wir die Startzeit noch 1 Stunde verschieben könnten. Die Abänderung des bereits übermittelten Flugplans war - wie wir später feststellen mussten - jedoch keine gute Idee (besser wäre wohl annullieren und neu aufgeben).

Am Vormittag hatten wir noch Zeit, das Zentrum von Tirana zu besichtigen. Vom Skanderbeg-Platz - leider gerade im Umbau - mit der Oper, dem Nationalmuseum, der Et'hem-Bey-Moschee und einigen Regierungsgebäuden, gingen wir in den anliegenden Taiwan-Park mit Teich und Restaurant zu einem Kaffee. Ebenfalls das zu kommunistischer Zeit den Partei-Bonzen vorbehaltene Quartier "blokku" ("der Block") mit heute vielen Cafés, Clubs und Bars und den Markt haben wir noch besichtigen können, bevor wir zum Flughafen fuhren.

Nach der Rückgabe des Mietwagens und der Pass- und Sicherheitskontrolle wurden wir wiederum mit einem Passagierbus zum "operation center" gebracht. Nach dem Bezahlen der verschiedenen Taxen zu wie erwartet eher hohen Preisen und dem Abchecken unseres Flugplans (inklusive einer Delay-Meldung), wurden wir zu unserem Flugzeug geführt und verabschiedet.

Der Controller auf dem Tower war wohl etwas überrascht über unseren Aufruf, mussten wir doch unser Call-Sign stattliche fünf Mal wiederholen, bis er es richtig verstanden hatte und uns daraufhin erklärte, wir hätten keinen Flugplan. Energisches Widersprechen unsererseits schaffte dann Abhilfe und der Flugplan wurde gefunden, sodass wir starten durften.

Nachdem wir wegen IFR-Verkehr zuerst Heading Süd und dann einige Zeit Heading West halten mussten, wurden wir von "Tirana Approach" angewiesen, einen "Three-sixty" zu fliegen, weil Montenegro und Kroatien unseren Flugplan auch nicht erhalten hätten. Nach einigem Hin- und Her versicherte uns der Controller, dass er uns mit dem Flugplan weiterhelfen werde. Nach Beendigung des Kreises mussten wir weitere 2 Minuten nach Westen fliegen, sodass wir nun beinahe schon an der Küste waren. Danach endlich durften wir Richtung unserem Exit-Point "PETAK" drehen. Doch kurz vor dem Überfliegen der FIR-Grenze kam erneut die Anweisung für einen Vollkreis, weil wir von Montenegro noch keine Einflugbewilligung hätten. Nach dem Kreis war es dann soweit, dass wir an "Podgorica Radar" übergeben wurden. Wir bedankten uns beim Albaner für seine Hilfe und setzten unseren Flug via Tivat, Dubrovnik, entlang der Halbinsel Peljesac und über die Inseln Korcula und Hvar nach Brac fort. Der Anflug auf Brac verlief problemlos, wenn auch etwas ruppig. Schon auf dem Tarmac wurde uns ein Transport nach Bol und ein Hotel - wie sich später herausstellte in einem Ferienresort mit "all inclusive" - organisiert.

Korcula

Den Rest des Tages genossen wir mit der Besichtigung des Zlatni Rat und Bol, Nachtessen und ein paar Bier in unserem "Resort".

Und schon sind die Osterfeiertage vorbei

Am Ostermontag machten wir wie bis anhin die Flugvorbereitung im Hotel übers Internet. Das bestellte Taxi war pünktlich und wir konnten wie geplant starten. Über viele Inseln ging unser erstes Leg nach Mali Losinj, wo wir vor der Landung über der Stadt einen Vollkreis drehen durften um Fotos zu machen. Nach dem Tanken ging's weiter Richtung Istrien, wo wir etwas südlich von Portoroz die Küste überflogen. Wegen aktivem Fallschirmspringen mussten wir östlich von Venedig eine andere Route als geplant in Kauf nehmen, bevor wir auf unseren letzten Wegpunkt dieses Leg's - das VOR Trento - halten durften. Ohne durch die vorausgesagten Wolken im Südtirol gestört zu werden, erreichten wir Bozen. Nach einem kurzen Aufenthalt starteten wir zum letzten Leg, das uns via Ofenpass, Flüela und der A3 entlang zurück nach Kägiswil bringen sollte. Pflichtbewusst wie immer, schalteten wir nach der Grenze auf "Zürich Information" um, riefen diese aber nicht auf. Aufgrund des besser als erwarteten Wetters änderten wir die Flugplanroute statt übers Flachland, über den Oberalp. Bei Flims/Laax wurden wir dann überrascht, als plötzlich übers Headset eine angenehme Frauenstimme tönte: "HB-PNR from Zürich Information?" Nach einem "go ahead" wollte sie Position, Altitude und Routing wissen. Als Dank auf unsere Antwort schloss sie dann freundlicherweise über Stansstad unseren Flugplan.

 

Müde aber überglücklich und begeistert über die vergangene Reise machten wir uns auf den Heimweg. Es war ein sehr interesssanter aber eher unkonventioneller Trip mit vielen Highlights, aber auch Problemen. Der Balkan ist eine sehr schöne Gegend und auch die Leute waren stets hilfsbereit und freundlich entgegen vieler Vorurteile. Auch sprachlich war es vielerorts kein Problem mit ihnen zu kommunizieren (englisch). Auch der Flugfunk wurde vorbildlich in der Standardphraseologie geführt. Wir können diese Reise wirklich weiterempfehlen.

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